Mein Name ist Leonard. Das ist mein Abschiedsbrief, welchen ich hinterlasse. Leider kann ich nicht sagen wie plötzlich mein Selbstmord geschieht, falls dieser zustande kommt, weswegen ich diesen Brief veröffentliche, bevor ich wieder an Selbstmord denke.
Dieser Brief hat keinen direkten Nutzen, er gibt mir einfach die Sicherheit, nicht wortlos zu gehen.

Schon sehr früh als Kind habe ich das Verständnis für Reinkarnation gewonnen. Du als Empfängerin oder Empfänger meiner Botschaft sollst wissen, dass ich ein Teil von dir bin. Ich bin eine Zelle in unserem Organismus, welche mitlerweile zu viele Fehlfunktionen aufweist, um weiter für das Leben zu arbeiten. 

Da ich mit viel Kraft das 18. Lebensjahr erreichte, kann ich mit Glück und Freude behaupten, dass es allein meine Verantwortung ist mich dem Leben zu stellen.

Deshalb trifft niemanden aus dem entfernten, so wie engem Umfeld jegliche Form von Schuld.

Das ist mein Vorwort.
Hallo, hier bin ich. Dem Anschein nach war ich vermutlich zu ungeduldig als alter Mann zu sterben. Nimm’s mit Humor, ich bin mal wieder vorgeprescht.

Mit ca. 6 Jahren wollte ich mir das erste Mal das Leben nehmen, aufgrund einer traumatischen Erfahrung. Seitdem bin ich ein Chaot. Sehr früh habe ich die Emotion des alleinseins empfunden. Als gäbe es niemanden, der mich versteht. Als würde keiner meine Sprache sprechen. Diese Welt hat mich des öfteren abgestoßen, mit Welt meine ich meine unmittelbare Umgebung. Wie gerne wäre ich etwas Besonderes… Doch ich verstehe nicht wozu das gut sein soll. Wie gerne wäre ich sorglos. Ich habe mir immer den herausfordernden Weg gesucht, ich wollte mich beweisen. Dieser Herausforderung bin ich dennoch nicht mehr gewachsen. Noch nie habe ich meine Mutter geliebt, noch nie habe ich meinen Vater geliebt, noch nie habe ich mich selbst geliebt. Ich kann gut schauspielern, ich kann gut denken. Denken ich würde lieben. Fühlen kann ich nicht. In meinem Leben gibt es keine Angst und keine Unsicherheit, diese Emotionen kommen generell nicht vor. Dies ist ein neurologischer Fehler. Aus meinem jetztigen Blickwinkel ist Selbstmord wenig rational. Würdest du frei leben können, wüsstest du, dass du in der nächsten Nacht keine Kontrolle mehr über diesen Gedanken haben könntest? Es macht mich krank. Die Sehnsucht nach dem Tod ist die größte, welche ich bisher in meinem Leben verspürte. Der Tod macht mich zu einem Neutrum. Ich wünschte ich könnte einmal Liebe verspüren, die Magie des Lebens, die pure Freude und Fülle von Emotionen. Ich finde keinen Zugang. Ich habe im Bett gelegen und verspürte keinerlei halt, als würde ich in das Bett hinein fallen. Nichts fing mich auf, kein Wesen hatte die Kraft dafür. Kein Lebewesen hat dieses Gewicht bisher halten können, wieso sollte ich können? Ich konnte es nicht. Jeder Mensch lässt mich irgendwann allein, weil er Angst verspürt mit hineingezogen zu werden, in mein Leid. Das kann ich verstehen. Jetzt kann ich nicht mehr leiden. Wenn das Leben zu über 50 Prozent aus Leid besteht, dann ist es wertlos. Ein Minusgeschäft. Dem Anschein nach habe ich logisch kalkuliert. Ich bin erstaunt wie ich mich überwinden konnte, gleichzeitig vermisse ich dein Lächeln. Warum sollte ich endlos schmerzhafte Qualen freiwillig durchleben wollen? Bitte folge mir nicht, ich bin feige, ich habe mich nicht dem Leben gestellt. Niemals werde ich meinen Enkelkindern erzählen wie stark ich bin. Folge mir nicht. Ich bin schwach. Alle lasse ich im Stich. Trotzdem trage ich keine Schuld, Schuld gibt es nicht. Ich wollte schon immer lieber auf die andere Seite. Noch lebe ich, wärend ich diese Worte vortrage. Hoffentlich werde ich gesund bevor es zu spät ist.

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